Das Seminar dient der Bewusstwerdung und Vergegenwärtigung von Traumatisierung, die die Sozialarbeiter*innen und Multiplikator*innen im beruflichen Kontext begegnen. Das kann z.B. die Arbeit mit Geflüchteten, mit Opfern rassistischer Gewalt, mit Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben oder mit obdachlosen jungen Erwachsenen aus dysfunktionalen Elternhäusern sein – all diese Zielgruppen haben immenses persönliches Leid erlitten und dennoch verbirgt sich hinter allen Traumatisierungen oft auch strukturelle Diskriminierung und politisches Versagen.
Es geht in dem Seminar zum einen darum, wie man Traumata erkennt und hilfreich sein kann, auch wenn man kein Therapeut ist? Wie man ihnen begegnet, um im Beruf handlungsfähig zu bleiben und um nicht selbst sekundär zu traumatisieren? Zum anderen geht es darum, sich als Helfer*in gegenüber der Gesellschaft und Politik für eine Enttabuisierung des Themas und für eine zielgerichtete Hilfe einsetzen zu können.
Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars wird auf der Beschäftigung mit Rassismus als sequentielles und kollektives Trauma liegen. In Bezug auf das Thema Rassismus gilt es zu bedenken, dass diese Form von struktureller Gewalt nicht nur ein singuläres Ereignis benötigt, um zu traumatisieren, sondern sich maßgeblich negativ durch rassistische Mikroaggressionen im Alltag auf die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Betroffenen auswirkt. Innerhalb des Seminars wird sich mit dem Thema rassistischer Stress auseinandergesetzt und warum er zum Teil in den Traumadiskursen keine bis wenig Beachtung findet. Wie eine rassismuskritische (Psycho-) Sozialarbeit aussehen klönnte und welche Bereitschaften es von Seiten der Helfenden braucht, wird im Seminar diskutiert.
Gustav Stresemann Institut in Niedersachsen
Klosterweg 4
29549 Bad Bevensen